Gesellschaften
Datenquellen
Für die Pflanzengesellschaften liegen im Datenservice von FloraWeb Informationen über die Bindung von Arten (nach Oberdorfer 1983), außerdem zur Namensgebung, Systematik, Gefährdung, Gefährdungsursachen, Gefährdungsverursacher und zu erforderlichen Schutzmaßnahmen vor. Die Daten stammen aus dem Projekt Rote Liste der Pflanzengesellschaften Deutschlands.
Namen und Systematik (Snytaxonomie und Synsystematik):
Wie bei den Artnamen (Artname/Taxonomie), so bestehen auch für wissenschaftliche Namen von Pflanzengesellschaften (Syntaxonomie) bestimmte Regeln. Für die Vegetationsaufnahmen, die nach der Braun-Blanquet-Methode ("Zürich-Montpellier-Schule") durchgeführt wurden, stehen diese im Code der pflanzensoziologischen Nomenklatur (CPN) (Barkman et al. 1986). Ähnlich wie bei der Nomenklatur für Pflanzenarten (Artname/Taxonomie), existieren auch bei der Namensgebung und taxonomischen Abgrenzung von Pflanzengesellschaften häufig unterschiedliche Auffassungen. Daher gibt es neben dem gültigen wissenschaftlichen Namen oft zahlreiche wissenschaftliche Synonyme. Für die Vergabe der deutschen Namen von Pflanzengesellschaften gibt es - wie bei den Arten - keine verbindlichen Regeln.
Die Methode der Vegetationsgliederung nach Braun-Blanquet erlaubt eine hierarchische Klassifikation der Pflanzendecke nach floristischen Kriterien (Synsystematik), wobei Artengruppen zur Abgrenzung der Pflanzengesellschaften untereinander herangezogen werden. Arten mit einem deutlichen Schwerpunkt in einer Gesellschaft werden als Kenn- oder Charakterarten bezeichnet. Sie dienen der Kennzeichnung der kleinsten pflanzensoziologischen Gesellschaft, der Assoziation. Für ökologische Untersuchungen werden Assoziationen mit Hilfe von Trenn- oder Differentialarten z.B. in Subassoziationen oder Ausbildungen gegliedert. Diese Trennarten kennzeichnen die jeweilige Einheit, kommen aber auch in anderen, jedoch nicht näher verwandten Einheiten vor. Sie besitzen einen hohen Indikatorwert zum Beispiel für bestimmte ökologische oder geographische Ausbildungen der Assoziation.
Mehrere Assoziationen, die gemeinsame Charakterarten besitzen, werden zu Verbänden vereinigt. Entsprechend werden Verbände zur Ordnung und diese zur höchsten Einheit, der Klasse, gruppiert. Für FloraWeb wurden diese Pflanzengesellschaften nochmals zu insgesamt 12 Formationen (davon 1 Kryptogamengesellschaft) - hier als Klassengruppen bezeichnet - zusammengefaßt (n. Pott 1995). Diese Klassengruppen sind nicht floristisch definiert, sondern beruhen auf physiognomischen Kriterien und sind daher keine pflanzensoziologische Einheit im Sinne von Braun-Blanquet.
Die Regeln für die Namensgebung besagen, daß aus dem wissenschaftlichen Namen der Rang hervorgehen muß, also ob es sich um eine Assoziation, einen Verband, eine Ordnung oder eine Klasse (bzw. eine entsprechende Untereinheit) handelt. Bei Assoziationen wird die Endung -etum an den Stamm der typischen Art gehängt (z.B. Fagus -> Fagetum). Unterverbände besitzen die Endung -enion, -enalia oder -enea. Verbände enden auf -ion, Ordnungen auf -etalia, die Klassen auf -etea (Tab. 1).
Tab. 1: Beispiel für die Nomenklatur und das hierarchische System der
Pflanzensoziologie:
Pflanzen-soziologische Einheit |
Endung |
Wissenschaftlicher Name |
Deutscher Name |
Assoziation |
-etum |
Carici-Fagetum |
Seggen-Buchenwald |
Unterverband |
-enion |
Cephalanthero-Fagenion |
Orchideen-Buchenwälder |
Verband |
-ion |
Fagion sylvaticae |
Rotbuchenwälder |
Ordnung |
-etalia |
Fagetalia sylvaticae |
Mesophytische Laubmischwälder |
Klasse |
-etea |
Querco-Fagetea |
Eurosibirische Sommerwälder |
Rote Liste / Gefährdung:
Die in FloraWeb enthaltenen Informationen zu Gefährdungseinstufungen der Pflanzengesellschaften für das Bundesgebiet und die Regionen entsprechen denen der Roten Liste der Pflanzengesellschaften Deutschlands. Dabei bedeuten:
0 ausgestorben oder verschollen
Pflanzengesellschaften, deren Bestände im Gebiet ausgestorben, ausgerottet
oder verschollen sind.
Seit mindestens 5 Jahren im Gebiet nicht mehr nachgewiesen. Je nach Dynamik
temporärer Gesellschaften sind z.T. auch längere Zeiträume
zugrunde zu legen.
1 vom Aussterben bedroht
Pflanzengesellschaften, die durch anhaltend starken oder sehr raschen Rückgang
im gesamten Gebiet so stark zusammengeschmolzen sind, daß ihr Fortbestand
akut gefährdet ist.
Es sind in der Regel nur wenige kleinflächige, vielfach fragmentarische
und kaum überlebensfähige Einzelbestände verblieben. In weiten
Landesteilen können die Vorkommen bereits erloschen sein.
2 stark gefährdet
Pflanzengesellschaften mit ehemals häufigerem Vorkommen, die im nahezu
gesamten Gebiet hinsichtlich Bestandesgröße und Bestandeszahl
sehr stark zurückgegangen und regional bereits verschwunden sind. Gefährdung
im größten Teil ihres hiesigen Verbreitungsgebietes.
3 gefährdet
Pflanzengesellschaften, die in großen Teilen des Gebiets deutlich und
stetig zurückgehen und lokal bereits verschwunden sind. Gefährdung
in großen Teilen ihres hiesigen Verbreitungsgebietes.
G Gefährdung anzunehmen
Gesellschaften, die sehr wahrscheinlich gefährdet sind. Einzelne Untersuchungen
und Beobachtungen lassen eine Gefährdung der betreffenden Bestände
erkennen, die Informationen reichen aber für eine Zuordnung zu den Kategorien
1-3 nicht aus.
R extrem selten
Gesellschaften, die im Gebiet von jeher nur in wenigen, räumlich eng
begrenzten Beständen vorkommen, derzeit aber nicht gefährdet zu
sein scheinen. Wegen ihrer Seltenheit ist ihre schlagartige Vernichtung oder
erhebliche Dezimierung durch unvorhersehbare Einwirkungen jedoch nich auszuschließen.
V zurückgehend, Gesellschaft der Vorwarnliste
Gesellschaften, die (bei selteneren Gesellschaften deutlich, bei noch häufigeren
Gesellschaften stark') zurückgegangen sind, aber aktuell noch nicht
gefährdet sind. Bei Fortbestehen der bestandsreduzierenden menschlichen
Einwirkungen ist in naher Zukunft eine Einstufung in die Kategorie "gefährdet" wahrscheinlich.
* derzeit nicht als gefährdet angesehen
Gesellschaften, die im Sinne der Roten Liste nicht als gefährdet angesehen
werden, obwohl entsprechende Bestände nur selten bis mäßig
häufig auftreten (keine deutlich rückläufige Tendenz, z.T.
auch Zunahme)
** ungefährdet
Gesellschaften, die mit Sicherheit ungefährdet sind (häufige bis
sehr häufige Vorkommen ohne merkliche Rückgangstendenz, in deutlicher
Ausbreitung begriffene Gesellschaften).
D Daten mangelhaft
Die Information zu Verbreitung, Ansprüchen und Gefährdung einer
Gesellschaft sind mangelhaft, wenn sie:
- bisher oft übersehen bzw. im Gelände nicht unterschieden wurde
- erst in jüngster Zeit syntaxonomisch untersucht wurde, so daß sich noch kein realistisches Bild über Verbreitung, Biologie und Gefährdung ableiten läßt
- oder wenn sie als syntaxonomisch problematisch anzusehen ist (Abgrenzung gegenüber anderen Syntaxa ungeklärt).
- fehlend
Sicheres Fehlen der Gesellschaft im Gebiet/Teilgebiet
Regionale Gefährdung:
Die Gefährdungssituation und das Gesellschaftsinventar weichen in den einzelnen Naturräumen erheblich voneinander ab. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wird außer einer Gesamtbeurteilung der Gefährdungssituation auch eine Einstufung für die drei naturräumlichen Großregionen
- Norddeutsches Tiefland
- Mittel-, West- und Süddeutsches Hügel- und Bergland (einschl. Oberrheinebene) sowie
- Alpen
vorgenommen (Großregion).
Gefährdungsursachen und -verursacher:
Zusätzlich werden für jede Pflanzengesellschaft bzw. Gesellschaftsgruppe Gefährdungsursachen angegeben. Die Gefährdungsursachen - insgesamt 28 - wurden in drei unterschiedliche Kategorien gegliedert:
- Direkte Eingriffe in Populationen und Biozönosen sowie Aufgabe traditioneller Nutzungen;
- Veränderung von Standorten;
- Zerstörung von Standorten.
Gefährdungsverursacher:
Die Verursacher umfassen 12 verschiedene Bereiche.
Erforderlicher Schutz:
Mit Hinweisen auf erforderliche Schutz-, Pflege- und Wiederherstellungsmaßnahmen bei den einzelnen Pflanzengesellschaften sollen der Naturschutzpraxis die notwendigen Handlungsanweisungen geliefert werden.

