Organisatorischer Hintergrund
Die Florenkartierung in Deutschland ist ihrem Ursprung nach ein Teil der in den 60er Jahren von Wien aus propagierten und seither von dort aus international koordinierten Mitteleuropa-Kartierung. Für ihre flächendeckende Koordination in Deutschland (damals BRD und DDR) wurden zunächst an den Universitäten Göttingen (später Bochum und Regensburg) bzw. Halle zentrale Koordinationsstellen eingerichtet, mit der Aufgabe, den flächendeckenden Kartierungsprozess auf ehrenamtlicher Beteiligungsbasis zu initiieren, die regionalen Erhebungsergebnisse zusammenzuführen und in einheitlichen Verbreitungskarten der Pflanzenarten darzustellen. Mit der Vereinigung wurde eine einzige deutsche „Zentralstelle für die floristische Kartierung Deutschlands“ mit den Bereichen Nord, Süd und Ost geschaffen. Das Bundesamt für Naturschutz und dessen Vorgänger-Institution BFANL waren an diesem Prozess unterstützend beteiligt. Es hat zwischen Ende der 1980er und Anfang der 2000er Jahre die Aktivitäten der Zentralstelle zur Aktualisierung der Florenkartierung und Einrichtung einer Zentralen Datenbank der Florenkartierung sowie des darauf fußenden Informationssystems FloraWeb mit Forschungsmitteln gefördert. Das Informationssystem FloraWeb wird vom BfN als Daueraufgabe in Kooperation mit der Zentralstelle bzw. deren Nachfolger (s.u.) weitergeführt. Darüber hinaus setzt sich das BfN aktiv für die Bereitstellung der Software für Datenerfassung und -kommunikation für die Florenkartierung ein.
Netzwerk Phytodiversität Deutschland (NetPhyD e.V.)
Vor dem Hintergrund des wachsenden Interesses an der Auswertung der Bestands- und Verbreitungsdaten der Florenkartierung für Naturschutz, einschließlich dessen internationaler Belange, für Wissenschaft und flächenbezogene Planungen, erwies es sich Anfang der 2000er Jahre als sinnvoll, in die Zentralstelle diejenigen Disziplinen mit einzubeziehen, die für die wissenschaftliche und naturschutzbezogene Auswertung bzw. Anwendung der Kartierungsergebnisse besonders relevant sind. Unter der neuen Bezeichnung „Zentralstelle für die Phytodiversität Deutschlands“ (ZePhyD) schlossen sich den alten Koordinationsstellen der Florenkartierung neue Bereiche an, wie Vegetationsdatenbanken (FH Freising-Weihenstephan), Biologie und Ökologie der Pflanzenarten (Uni Regensburg, Uni Oldenburg, UFZ Leipzig-Halle), Populationsgenetik (Uni Osnabrück), Arealkunde (Uni Halle) u.a. Um als juristische Person auftreten zu können wurde die Vereinsform gewählt und 2006 der Verein „Netzwerk Phytodiversität Deutschland“ (NetPhyD) gegründet. In dessen Rahmen wurde als Ersatz der alten Zentralstelle die neue Koordinationsstelle Florenkartierung eingerichtet. Diese ist am Zentrum für Biodokumentation des Saarlandes (ZfB) als Aufgabe angesiedelt. Neben der Kontinuität des Informations- und Kommunikationssystems der Florenkartierung (FloraWeb/BfN) ist damit erstmalig auch die Kontinuität der Koordinationsaufgaben bei der bundesweiten Florenkartierung unabhängig von unregelmäßig verfügbaren Fordermitteln gewährleistet.
Ehrenamtliche Aktivitäten
Basis der flächendeckenden Bestandserhebung und Kartierung der Flora in Deutschland wird auch in Zukunft die ehrenamtliche Geländeerhebung auf breiter Beteiligungsbasis Fachkundiger bleiben. Diese sind meist in regionalen botanischen Vereinigungen organisiert, die entweder unabhängig oder unter dem Dach größerer Verbände die Erforschung der regionalen Flora zum Ziel haben. Die Koordinationsstelle Florenkartierung im Netzwerk Phytodiverstät Deutschlands hat die deutschlandweite Koordination der einschlägigen Aktivitäten von der ehemaligen Zentralstelle der Florenkartierung übernpmmen (s.o.). Parallel dazu erfolgt die taxonomische Betreuung durch Spezialisten, die sich zeitlich parallel zum NetPhyD-Entstehungsprozess im Verein "Gesellschaft zur Erforschung der Flora Deutschlands" (GEFD) zusammengeschlossen haben. Eine enge Kooperation beider Vereine ist selbstverständlich. Die Zukunft stellt die ehrenamtlich getragene Florenkartierung vor neue Aufgaben und Herausforderungen. So ist es notwendig, zunehmend auch den Bedürfnissen themenspezifischer Monitoring-Ansätze, z.B. aus den Bereichen Klimawandel und invasive Arten, Rechnung zu tragen. Dazu ist unverzichtbar, dass auch die Bundesländer ihrerseits die regionalen Aktivitäten weiterhin unterstützen und voran treiben.

