Verbreitung
Datenquellen
Die Daten zu den Arealinformationen stammen aus verschiedenen Quellen. Diese sind bei den jeweiligen Informationen weiter unten angegeben. Bei FloraWeb werden zu den einzelnen Pflanzenarten folgende Arealinformationen angeboten:
Klimazone, Höhenstufe, Meeresnähe/Kontinentalität (nach Ellenberg), Kontinente/Regionen (nach Rothmaler), Arealformel und Arealzentrum (nach Meusel), Arealtyp (nach Oberdorfer), Arealgröße, deutscher Arealanteil und Arealcharakter sowie Häufigkeit im Gesamtareal (nach Daten aus dem F+E-Projekt "Schutzrelevanz" der Universität Halle).
Klimazone: Durch die charakteristischen Temperatur- und Niederschlagsbedingungen sowie deren Veränderung im Jahresverlauf haben sich auf der Erde von den Tropen bis zu den Polen verschiedene Vegetationszonen ausgebildet. Diese verlaufen wegen der ungleichen Verteilung der Landmassen auf der Nord- und Südhalbkugel nicht völlig gleich. Eine Art kann je nach ihrer ökologischen Amplitude in einer oder mehreren Klimazonen vorkommen. Die von Meusel et al. 1965 erfolgte Zuordnung der Arten zu diesen Florenzonen wurde von Rothmaler 1986 übernommen und von Frank & Klotz 1990 in eine Datenbank überführt, die unter FloraWeb zugänglich ist.
Folgende Florenzonen werden unterschieden:
- antarktisch und/oder austral: Tundren- bis Laub- und Nadelwaldzone der
- Südhalbkugel (polar bis warmgemäßigt-subtropisch)
- tropisch: immergrüne Regenwaldzone der Nord- und Südhalbkugel
- subtropisch: Savannen- und Trockenwaldzone der Nord- und Südhalbkugel
- meridional: mediterrane immergrüne Hartlaubwald-, Steppen- und Wüstenzone der
- Nordhalbkugel (warmgemäßigt-subtropisch)
- submeridional: submediterrane sommergrüne Trockenwald- und Steppenzone der
- Nordhalbkugel (warmgemäßigt)
- südlich temperat: Laubwaldzone der Nordhalbkugel (gemäßigt)
- nördlich temperat: Laub- und Nadelmischwaldzone der Nordhalbkugel (kühlgemäßigt)
- boreal: Taiga-Nadelwaldzone der Nordhalbkugel (subpolar)
- arktisch: Tundrenzone der Nordhalbkugel (polar)
Da sich die ökologischen Gegebenheiten vom Flachland zu den Gebirgen ändern, sind Pflanzen in der Regel an bestimmte Höhenstufen gebunden bzw. haben dort ihren Schwerpunkt. Die Angaben von Meusel et al. (1965ff) wurden von Rothmaler (1986) übernommen und für das mitteleuropäische Verbreitungsgebiet der Arten in der biologisch-ökologischen Datenbank von Frank & Klotz (1990) erfaßt. Die Daten sind unter FloraWeb abrufbar. Dabei bedeuten:
- litoral: Küstenstufe
- planar-collin: Flach- und Hügellandstufe bis ca. 400m
- montan (incl. demontan): Bergwaldstufe der Mittelgebirge und Gebirge bis ca. 1500m
- subalpin: Krummholzstufe der Gebirge bis ca. 2000m
- alpin-nival (incl. dealpin): Matten- und Gletscherstufe der Hochgebirge über ca. 2000m
Meeresnähe/Kontinentalität: Da sich mit zunehmender Entfernung von den Küsten das Klima verändert, hat dies Auswirkungen auf die Verbreitung (bzw. die Verbreitungsgrenzen) von Pflanzen. So sind die Temperatur- und Niederschlagsbedingungen im Jahresverlauf in Küstennähe wesentlich ausgeglichener (ozeanisch) als im (kontinentalen) Inneren des Festlandes, wo die Schwankungen zwischen Sommer und Winter zunehmend größer werden. Außerdem nimmt der Niederschlag von den Küsten Europas bis in die Landmassen Zentralasiens stark ab, so daß kontinental verbreitete Pflanzen oft eine höhere Toleranz gegenüber Temperaturschwankungen und Trockenheit haben. Jäger (1968) hat verschiedene Kontinentalitätszonen ausgeschieden, denen von Rothmaler (1972) die heimischen Pflanzen zugeordnet wurden. Diese Angaben hat Ellenberg (1991) in eine neunwertige Zeigerwertskala umgesetzt, die bei FloraWeb wiedergegeben wird:
- 1: euozeanisch (extremes Seeklima)
- 2: ozeanisch (Seeklima
- 3: ozeanisch bis subozeanisch (See- bis gemäßigtes Seeklima)
- 4: subozeanisch (gemäßigtes Seeklima
- 5: subozeanisch bis subkontinental (See-/Steppen-Übergangsklima)
- 6: subkontinental (gemäßigtes Steppenklima)
- 7: subkontinental bis kontinental (gemäßigtes Steppen- bis Steppenklima)
- 8: kontinental (Steppenklima)
- 9: eukontinental (extremes Steppenklima)
Kontinente/Regionen: Je nach klimatischen Bedingungen und Ausbreitungsgeschichte einer Art kann diese auf verschiedenen Kontinenten vorkommen. Manche Kontinente wurden von Meusel (1965) noch weiter in verschiedene Florengebiete untergliedert, denen die heimischen Arten zugeordnet wurden. Eine Art kann dabei in mehreren Florengebieten vorkommen. Diese Zuordnungen wurden von Rothmaler (1986) übernommen und flossen in die Datenbank von Frank & Klotz (1990) ein, die Bestandteil von FloraWeb ist.
Europa |
Asien |
Australien |
Afrika |
Amerika |
ganze Welt |
West-Europa |
Kleinasien |
Ost-Afrika |
Nord-Amerika |
alle Kontinente (kosmopolitisch) |
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Ost-Europa |
Vorderasien |
West-Amerika |
alle Kontinente einer Klimazone (circumpolar) |
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Kaukasus |
West-Asien |
Ost-Amerika |
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Sibirien |
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West-Sibirien |
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Zentralasien |
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Ost-Asien |
Arealformel: Zieht man die vorstehenden Angaben (zu Klimazone, Höhenstufe, Meeresnähe/Kontinentalität, Kontinente/Regionen) nach bestimmten Regeln zusammen, erhält man eine verbalisierte Beschreibung des Areals einer Pflanze in einer Formel.
Die in FloraWeb dargestellten Arealformeln entsprechen aus technischen Gründen allerdings nicht der Zusammenziehung der oben genannten Komponenten oder den bei Meusel et al. (1965ff) bzw. Rothmaler (1986) veröffentlichten Formeln, sondern wurden im Rahmen des Projektes "Schutzrelevanz" der Universität Halle für 1225 Arten überarbeitet. Da sie damit wesentlich aktueller sind, können sie von den Angaben bei Meusel bzw. Rothmaler abweichen.
Arealzentrum: Das Arealzentrum ist das Häufigkeitszentrum mit der höchsten Vorkommensdichte und Vitalität einer Art. Es kann als das Gebiet interpretiert werden, in welchem die Art ihr ökologisches Optimum vorfindet. Im (theoretischen) Idealfall nehmen vom Arealzentrum über das Hauptareal zum Arealrand des Vorkommens Häufigkeit (Frequenz) und Vorkommensdichte (Abundanz) ab, bis das kontinuierlich besiedelte Gebiet aufhört und die Art nur noch mehr oder weniger isolierte Vorposten bildet. Die Beschreibung des Arealzentrums erfolgt über die Florenzonen, -regionen und -provinzen (nach Meusel et al. 1965, 1978, 1992).
Arealtypen: Im Gegensatz zu der relativ komplizierten Arealbeschreibung durch die "mehrdimensionalen" Arealformeln der ostdeutschen Schule reichen für einfache Auswertungen in Geobotanik und Naturschutz oft einfachere Gliederungen aus. Bei FloraWeb wird daher auch die Einteilung aller heimischen Arten in Arealtypen wiedergegeben, die von Oberdorfer 1983 vorgenommen und für die Auswertung der Roten Liste zu 12 Typen zusammengefaßt wurde.
Die Größe des Gesamtareals gibt wieder, wie weit eine Art verbreitet ist. Da für weit verbreitete Arten mit einem großen Areal eine geringere weltweite Gefährdung anzunehmen ist als für Arten mit kleinem Areal, sinkt die Schutzrelevanz mit der Arealgröße. Folgende Größenklassen werden verwendet (Daten aus dem F+E-Projekt "Schutzrelevanz" der Universität Halle):
- 9: bis 10 qkm: z.B. Tegernsee
- 8: 10 - 100 qkm: z.B. Sylt
- 7: 100 - 1.000 qkm: z.B. Berlin
- 6: 1.000 - 10.000 qkm: z.B. Schleswig-Holstein
- 5: 10.000 - 100.000 qkm: z.B. Bayern
- 4: 100.000 - 1 Mio. qkm: z.B. Frankreich + Spanien
- 3: 1 Mio. - 5 Mio. qkm: z.B. Hälfte Europas
- 2: 5 Mio. - 10 Mio. qkm: z.B. Europa
- 1: 10 Mio. - 150 Mio. qkm: Landfläche der Erde
Der prozentuale Arealanteil, den Deutschland am Gesamtareal einer Art hat (Arealanteil Deutschlands), ist ebenfalls ein Hinweis auf die Verantwortlichkeit, die Deutschland für diese Art trägt. Je größer "unser" Anteil am Gesamtareal ist, desto wichtiger ist die Erhaltung der bei uns lebenden Populationen einer Art. Am größten ist die Schutzrelevanz für Arten, die weltweit nur bei uns vorkommen (= Arealanteil 100%), sog. Endemiten Deutschlands. Folgende Anteilsklassen werden unterschieden (Daten aus dem F+E-Projekt "Schutzrelevanz" der Universität Halle):
- 5: 100% (Endemit)
- 4: 75% - 99%
- 3: 33% - 75%
- 2: 10% - 33%
- 1: weniger als 10%
Der Arealcharakter in Deutschland gibt wieder, welche Lage die Vorkommen einer Art in Deutschland in Bezug auf das Gesamtareal der Art einnehmen. Die höchste Bedeutung haben Arten, deren Arealzentrum bei uns liegt und die in Deutschland daher ihr "ökologisches Optimum" haben. Aber auch Vorposten haben aufgrund ihrer starken Isolierung und daher der größeren Wahrscheinlichkeit der Ausbildung eigener Sippen eine höhere Bedeutung. Es werden folgende Klassen unterschieden (Daten aus dem F+E-Projekt "Schutzrelevanz" der Universität Halle):
- 5: Arealzentrum: Häufigkeitszentrum mit höchster Vorkommensdichte und Vitalität
- der Art
- 4: isolierter Vorposten: vom kontinuierlichen Areal deutlich isolierter Bereich
- 3: Hauptareal: innerer, kontinuierlich besiedelter Bereich
- 2: Vorposten: dem kontinuierlichen Areal vorgelagerter und weitgehend davon
- isolierter Bereich
- 1: Arealrand: äußerer Bereich des kontinuierlich besiedelten Areals
Die Häufigkeit ist hier für die mittlere Besiedlungsdichte einer Art in ihrem Hauptareal angegeben. Häufigen Arten wird eine geringere Schutzpriorität zugeteilt als Arten, die überall in ihrem Gesamtareal nur sporadisch und in geringer Anzahl vorkommen. Folgende Häufigkeitsklassen werden unterschieden (Daten aus dem F+E-Projekt "Schutzrelevanz" der Universität Halle):
- 5: sehr selten: an sehr wenigen Fundorten mit meist kleinen Vorkommen
- 4: selten: an sehr zerstreuten
- oder sehr wenigen gehäuften Fundorten mit kleinen oder sehr wenigen größeren
- Vorkommen
- 3: mäßig häufig: fast überall, aber nur mit kleinen oder sehr ungleichmäßigen
- Vorkommen
- 2: häufig: zumindest streckenweise regelmäßig und mit dichten, oft massenhaften
- Vorkommen
- 1: sehr häufig: meistes regelmäßig und mit dichten, sehr oft massenhaften
- Vorkommen

