Methode

Methodisch wurde bei der deutschen Rasterkartierung an die von Mattfeld vorgeschlagene Vorgehensweise angeknüpft, bei der das Messtischblatt (Blatt der topografischen Karte im Maßstab 1:25 000) als Basis-Flächenbezug bei der Geländeerhebung dient. Länder- und regionale Kartierungen sind z.T. noch erheblich genauer. Eine Übersicht der in Deutschland üblichen Rasterteilungen, die auf dem Meßtischblatt als Grundfeld aufbauen, zeigt die folgende Abbildung:

Rasterteilung eines MTB-Grundfeldes: Quadrant 1: fortlaufende Quadrantenteilung, Quadrant 2: Minutenfelder

Tabelle der Rasterteilungen und der entsprechenden Flächengrößen (Mittelwerte aufgrund der nicht flächentreuen Projektion von geographischen Koordinaten)

Die Datenbank FlorKart

Florenkartierung 1989-1997: Organisationsstruktur und Datenfluss

Die elektronische Datenverarbeitung, die bei der Florenkartierung von Beginn an vorgesehen war, konnte bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit zentraler Datenerfassung an einem Großrechner in Ulm eingeführt werden. In einer anschließenden Phase wurden die Kartierungsdaten aus ganz Deutschland, welche seit der ersten Phase in einer Reihe von Kartierungsvorhaben erhoben wurden, im Rahmen eines F+E-Vorhabens in einer zentralen Datenbank FlorKart am BfN (bis 1993: Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie) zusammengeführt. Bis 2000 konnte die Datenbasis von 1,2 Mio. auf 14 Mio. Datensätze erheblich erweitert werden. Mit einbezogen wurden die verschiedenen Landesbehörden für Naturschutz, die zwischenzeitlich eigene Länderprojekte angestoßen und durchgeführt haben. Zur Gewährleistung des reibungslosen Datenflusses zwischen den regionalen Kartierungsprojekten und der zentralen Datenbank wurde allen Kartierern die Erfassungssoftware FLOREIN, die zwischenzeitlich von RECORDER D abgelöst wurde, kostenlos zu Verfügung gestellt. Auf diese Weise konnte die Datenerhebung und die Fehlerkontrolle bei der Datenerfassung in die Hände der regionalen Verantwortlichen gelegt werden. Die Datenerhebung wird zu einem großen Teil von ehrenamtlichen Mitarbeitern, aber auch von Wissenschaftlern an Universitäten und den Naturschutzbehörden der Länder geleistet. Diese senden ihre Daten an Regionalstellen, welche die abschließende Datenkontrolle übernehmen. Auf der nächsten Ebenen übernimmt die Zentralstelle für die floristische Kartierung Deutschlands das Datenmanagement und die Datenharmonisierung.

Das Onlineportal FloraWeb

Nach 1997 erfolgte in kleinerem Umfang die Durchführung der bundesweiten Datenharmonisierung und Korrektur der Status-Einstufungen. Ergänzend dazu und in Synergie mit der Beteiligung des BfN am Aufbau des Bundesinformationssystems Genetische Ressourcen (BIG) und an GEIN (German Environmental Information Network) inzwischen umbenannt in PortalU, wurde der Aufbau von FloraWeb als internetbasiertes Informationsangebot zu Pflanzen und Vegetation in Deutschland gefördert. Mit FloraWeb und dem darin integrierten dynamischen Kartendienst zur Erzeugung von Verbreitungskarten aus der Datenbank FlorKart wurde der Bestand an Daten für einen Deutschen Verbreitungsatlas im Messtischblattraster öffentlich und frei zugänglich gemacht. FloraWeb ist seit 2000 online und ist eine dynamisch aus Datenbankinhalten erzeugte Web-Flora mit einem breiten Spektrum an Informationen zu Verbreitung, Areal, Gefährdung, Schutz, Taxonomie und Nomenklatur, Biologie und Ökologie wild wachsender Gefäßpflanzen in Deutschland. Im Rahmen von FloraWeb wurden im BfN inzwischen verschiedene webbasierte Werkzeuge für die kooperative Fortschreibung zentral gespeicherter Datenbestände entwickelt.

Auswertungsmöglichkeiten in FloraWeb/FloraMap

Mit Hilfe des in FloraWeb eingebauten Benutzer-Tools FloraMap können Recherchen nach Artkombinationen, die nach verschiedenen Kriterien zusammengestellt wurden, durchgeführt werden. Neben biologischen und ökologischen Eigenschaften, stehen Status, Schutz, Gefährdung und Verantwortlichkeit Deutschlands als Auswahlkriterien zur Verfügung. Die Ver­breitung der durch die Auswertungs­möglichkeiten zusammengestell­ten Artengruppen kann in ent­sprechenden Karten dargestellt werden.

Begleitprojekte

Als Begleitprojekte von internationalem Standard entstanden im Zuge der Floristischen Kartierung Deutschlands die Standardliste der Gefäßpflanzen (Wisskirchen und Haeupler 1998) und der Bildatlas der Gefäßpflanzen Deutschlands (Haeupler und Muer 2000). Siehe auch Artnamen/Taxonomie bei den Hintergrundtexten in FloraWeb

Zukünftige Herausforderungen und Auswertungsmöglichkeiten

Die Kartierung der niederen Pflanzen, für die bisher noch keine bundesweiten Verbreitungsatlanten vorliegen, ist Gegenstand zukünftiger Aktivitäten. Die floristische Kartierung in Deutschland ist aber mit der Erstellung von Verbreitungsatlanten noch lange nicht abgeschlossen. Vielmehr sollte die Datenerfassung ständig fortgeführt werden, da sie zahlreiche Ziele verfolgt und vielfältige Auswertungsmöglichkeiten in sich birgt. Neben der Feststellung der Areale von Pflanzen und deren Gesamtverbreitung in Europa helfen floristische Daten bei der Ursachenforschung für Pflanzenareale (ökologische Faktoren, Klima, Bodenfaktoren, Ausbreitungsbiologie), unterstützen florengeschichtliche Analysen sowie systematische und taxonomische Untersuchungen. Für Bewertung von Seltenheit und/oder Gefährdung vom Pflanzenarten und der Ermittlung der Verantwortlichkeit Deutschlands für die Erhaltung von Pflanzenarten sind sie unersetzbar. Aktuelle Bedeutung kommt der floristischen Kartierung für die Erfassung und Dokumentation der Auswirkungen des globalen Klimawandels und Validierung der vorhergesagten Arealverschiebungen zu.


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