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Ökologische Grundlagen
| Die Verbreitungsgebiete von
Arten ( Areale)
sind das Ergebnis dynamischer Prozesse und damit ständigen
Veränderungen unterworfen (z.B. die Wiedereinwanderung
von Arten aus südlichen Refugien nach dem Ende der letzten
Eiszeit in Europa). Arealveränderungen, also auch die
Ausbreitung von Arten in bisher von ihnen nicht besiedelte
Gebiete, sind daher oftmals natürliche Prozesse.
Dem steht die anthropogene Ausbreitung gegenüber,
bei der eine Art ihre Arealgrenze nicht „Stück
für Stück“ weiter nach außen verschiebt,
sondern sich in oftmals weit von ihrem natürlichen Areal
entfernten Gebieten ansiedelt. Waren- und Personenaustausch
durch Verkehr und Handel überwinden dabei die natürlichen
Ausbreitungsschranken und ermöglichen eine transkontinentale
Ausbreitung in Regionen, die die Art auf natürlichem
Wege nicht erreicht hätte.
Die Hälfte der bei uns etablierten Neophyten wurde dabei beabsichtigt eingeführt;
die meisten davon als Zierpflanzen (insgesamt ca.
30% aller Neophyten), der Rest als land- und forstwirtschaftliche Nutzpflanzen (20% der Neophyten). Die andere
Hälfte der Neophyten wurde im Zuge von Verkehr, Personen- und Warenaustausch
unbeabsichtigt eingeschleppt.
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Von den insgesamt wohl 12.000 durch den Menschen nach Deutschland gebrachten
Gefäßpflanzenarten kommen ca. 1.000 unbeständig
vor (unbeständige Neophyten; s.
Begriffe). Ungefähr 400 Arten trafen hier auf ihnen zusagende
biotische und abiotische Standortbedingungen und konnten sich etablieren (etablierte Neophyten;
s.
Begriffe) und ca. 50 haben invasiven Charakter, weil ihre Ansprüche mit den Standortbedingungen
besonders gut übereinstimmen, sie eine bisher dort unbesetzte
„Lücke“ besetzen oder ihre Fraßfeinde (Schädlinge) fehlen.
Ähnliche Größenordnungsverhältnisse wurden auch in anderen Teilen der Welt festgestellt, woraus die sogenannte „Zehner-Regel“ abgeleitet wurde:
10 % der eingeführten oder eingeschleppten Arten halten sich unbeständige,
10 % davon etablieren sich dauerhaft in naturnahen Lebensräumen, wiederum ca. 10%
dieser eingebürgerten Arten können unerwünschte Auswirkungen und damit invasiven Charakter haben.
Von 1.000 eingeführten oder eingeschleppten Arten kommen demnach 100 unbeständig vor,
10 etablieren sich dauerhaft und nur eine (= 0,1%) wird invasiv.
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Dabei scheinen einige Arteigenschaften einen
besonderen Konkurrenzvorteil darzustellen. Dazu gehören
beispielsweise eine hohe Samenproduktion, eine starke Wuchskraft
oder Toleranz gegenüber Störungen bzw. Bevorzugung
von Nährstoffreichtum. Auch eine gewisse Plastizität
des Genoms ermöglicht offensichtlich eine schnellere
Anpassung an die neue Umwelt und begünstigt damit die
Invasivität von Arten.
Folglich spielen auch die Standorteigenschaften wie z.B. der Nährstoffhaushalt oder die Störungsintensität
der neu besiedelten Lebensräume eine entscheidende Rolle für den Ansiedlungserfolg. So sind in Mitteleuropa stärker
gestörte und nährstoffreiche Standorte wie Äcker und Straßenränder reicher an Neophyten als z.B. Wälder und Moore.
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Anders verhält es sich allerdings in lange isolierten Ökosystemen
wie auf Inseln, wo sich die Arten „ungestört von außen“
über einen sehr langen Zeitraum entwickelt haben. Diese besonders
stark aufeinander eingespielten Artengemeinschaften können
durch neue Arten sehr leicht in ihrem Gleichgewicht gestört
werden, so dass z.B. in Hawaii die Biomasse der Neophyten bereits
die der heimischen Arten übersteigt und schon 10% der heimischen
Pflanzenarten durch Neophyten verdrängt wurden und damit ausgestorben
sind.
Jedoch ist es nicht sicher vorhersagbar, ob sich
Arten in einem neuen Gebiet etablieren oder dort gar invasiv werden
können, selbst wenn Ansprüche und Eigenschaften der Art
bekannt sein sollten. Zudem etablieren sich Neophyten oft zuerst
nur lokal und breiten sich über lange Zeit nicht nennenswert
aus (sog. lag-Phase), können dann aber nach Jahren mehr oder
weniger unvermittelt und rasant ihr Areal erweitern (z.B. das Schmalblättrige
Greiskraut, Senecio inaequidens). Damit kommt der frühzeitigen
und dauerhaften Beobachtung von Neophyten eine entscheidende Rolle
zu.
Auch die Auswirkungen von Invasionen sind artspezifisch und können
in den meisten Fällen nicht präzise im Voraus abgeschätzt
werden.
mehr zur Auswirkungen/Gefahren
und zu Neophyten und Naturschutz
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