Pinus nigra J. F. Arnold (Pinaceae), Schwarz-Kiefer
1 Beschreibung der Art
1.1 Aussehen
Die Schwarz-Kiefer ist ein großer Baum mit breiter, im Freistand weit ausladender Krone und schwarzgrauer Schuppenborke (Unterscheidungsmerkmal
zur einheimischen Wald-Kiefer mit fuchsroter Borke). Sie kann in ihrer Heimat bis 50 m hoch werden, bei uns ist sie 20 40
m hoch. Die sehr spitzen, dunkelgrünen Nadeln stehen zu zweit (selten zu dritt) und werden bis 15 cm lang. Die Zapfen stehen
waagerecht von den Zweigen ab und sind bis 3 cm dick und bis 8 cm lang. Die Zapfenschuppen tragen oft kurze Dornen.
Floraweb-Fotos der Art
1.2 Taxonomie
Wegen des weiten, stark zerteilten Areals zeigt die Schwarz-Kiefer eine große innerartliche Variabilität. Die Art wird in
verschiedene Unterarten und Rassen aufgeteilt, deren Abgrenzung und Nomenklatur stark variiert. In Deutschland wird vor allem
die östliche Unterart der Schwarz-Kiefer P. nigra ssp. nigra angepflanzt, die dem Typus der Art entspricht. Sie lässt sich
ebenso wie P. nigra ssp. salzmanni in Varietäten aufgliedern, z.B. die österreichische var. austriaca (= nigra), die türkische
var. caramanica und die var. pallasiana von der Krim.
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1.3 Herkunftsgebiet
Das natürliche Areal der Schwarz-Kiefer reicht von der Iberischen Halbinsel und Marokko bis nach Kleinasien. Es zerfällt in
zahlreiche Einzelgebiete. Die Schwarz-Kiefer wächst im Heimatareal in verschiedenen Rassen von unmittelbarer Küstennähe bis
in 1800 m Höhe.
1.4 Biologie
Die Schwarz-Kiefer ist einhäusig und trägt weibliche und männliche Blütenstände getrennt auf dem selben Baum. Sie beginnt
im Alter von 15 40 Jahren zu blühen und Samen zu produzieren. Die Samenproduktion schwankt von Jahr zu Jahr, Mastjahre treten
alle 2 5 Jahre auf. Die geflügelten Samen werden durch den Wind ausgebreitet und sind gleich keimfähig. Die Schwarz-Kiefer
ist nicht schattentolerant und benötigt volles Sonnenlicht.
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2 Vorkommen in Deutschland
2.1 Einführungs- und Ausbreitungsgeschichte / Ausbreitungswege
Die Schwarz-Kiefer wurde als Zier- und Forstbaum nach Deutschland eingeführt. Forstlich wurde sie gelegentlich in den Alpen,
seltener in den Mittelgebirgen angepflanzt.
2.2 Aktuelle Verbreitung und Ausbreitungstendenz
Schwerpunkte des Schwarz-Kiefer-Anbaus liegen in Thüringen (Saaletal, Jena), im nördlichen Baden-Württemberg (Taubergrund)
und auf der Fränkischen Platte in Unterfranken. Kleinere Schwarzkiefernanbauten sind in Bayern aus dem Fränkischen Jura oder
der Münchner Schotterebene bekannt. Eine Klimaerwärmung könnte zu verstärktem Anbau und verstärkter Ausbreitung der Schwarz-Kiefer
führen.
Verbreitungskarte aus FloraWeb
2.3 Lebensraum
Pinus nigra wird vor allem auf flachgründigen, kalkhaltigen Böden angepflanzt und verwildert auf solchen Standorten in der
Nähe der Anpflanzungen. Dabei dringt sie auch in Kalkmagerrasen ein.
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2.4 Status und Invasivität der Art in benachbarten Staaten
In Österreich ist die Art z. B. im Wiener Raum einheimisch. In der Schweiz wird sie ebenso wie in Deutschland angepflanzt.
3 Auswirkungen
Spezifische Auswirkungen der Schwarz-Kiefer sind nicht dokumentiert. Da sie an trocken-warmen Standorten der einheimischen
Wald-Kiefer im Wachstum überlegen ist, können die allgemein sukzessionbedingten Veränderungen nach Nutzungsaufgabe durch die
Schwarz-Kiefer schneller auftreten als unter der Wald-Kiefer.
3.1 Betroffene Lebensräume
Das Eindringen der Schwarz-Kiefer in Kalkmagerrasen verändert diese stark. In Baden-Württemberg gilt der forstliche Anbau
der Schwarz-Kiefer auch als Gefährdungsursache für den Eichen-, den Eichen-Hainbuchen-Wald und den Buchen-Wald trockenwarmer
Standorte.
3.2 Tiere und Pflanzen
Licht- und wärmebedürftige Tiere und Pflanzen werden durch die Veränderung des Kalkmagerrasens in Mitleidenschaft gezogen.
3.3 Ökosysteme
Die Waldbildung auf zuvor waldfreien Standorten lässt weitgehende Veränderungen des Licht- und Stoffhaushaltes erwarten. Über
die sukzessionsbedingten Veränderungen hinaus sind keine spezifischen Auswirkungen auf Ökosysteme bekannt oder zu erwarten.
3.4 Menschliche Gesundheit
Keine Auswirkungen bekannt oder zu erwarten.
3.5 Wirtschaftliche Auswirkungen
Außer den Kosten für eine eventuelle Bekämpfung sind keine Auswirkungen bekannt oder zu erwarten.
4 Maßnahmen
Ob Maßnahmen aus Naturschutzgründen gerechtfertigt sind, muss im Einzelfall entschieden werden. Ältere Schwarz-Kiefernbestände
mit ihren Wintergrünarten und Orchideen können für den Artenschutz wertvoll sein. Vor einer Bekämpfung ist deshalb zu prüfen,
ob durch sie der Naturschutzwert der Fläche tatsächlich erhöht wird.
4.1 Vorbeugen
Das Ausbringen von gebietsfremden Pflanzen ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§41.2) grundsätzlich nicht ohne Genehmigung
erlaubt. Besonders eine Anpflanzung der Schwarz-Kiefer in der Nähe von schutzwürdigen Kalkmagerrasen sollte unterbleiben.
Der Schutz von Magerrasen kann jedoch grundsätzlich nur durch Beibehaltung traditioneller Bewirtschaftung oder durch Pflege,
wie z.B. Schafbeweidung gelingen.
4.2 Allgemeine Empfehlungen zur Bekämpfung
Eine Bekämpfung alter Schwarz-Kiefern-Bestände wird nicht grundsätzlich empfohlen. Die Entfernung von Schwarz-Kiefern-Anflug
aus schutzwürdigen Magerrasen kann als Einzelmaßnahme sinnvoll sein, um direkt betroffene Pflanzen zu schützen. Langfristig
sind solche Maßnahmen jedoch in dauerhafte Pflegekonzepte einzubinden.
4.3 Methoden und Kosten der Bekämpfung
Erfahrungen mit der Bekämpfung der Schwarz-Kiefer sind nicht veröffentlicht.
Ihre Erfahrungen zur Bekämpfung können Sie im Diskussionsforum zu dieser Art eintragen.
5 Weiterführendes & Kontakte
5.1 Literatur & Links
Heinze, M. (1996): Standorte, Ernährung und Wachstum der Schwarzkiefer (Pinus nigra Arnold). Forstw. Cbl. 115:17-35.
Schmidt, O. (1999): Die Schwarzkiefer in Unterfranken. LWF-zertifiziert - Informationen aus der Wissenschaft. Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft.
http://www.lwf.bayern.de/veroef/veroef99/lwfakt20/kap7.htm
Earle, C. J. (2001): The Gymnosperm Database.
http://www.botanik.uni-bonn.de/conifers/index.htm
Sullivan, J. (1993): Pinus nigra. Fire Effects Information System, U.S. Department of Agriculture, Forest Service, Rocky Mountain
Research Station, Fire Sciences Laboratory.
http://www.fs.fed.us/database/feis/
5.2 Kontakte
Z. Zt. ist kein Experte vorgesehen. Bitte wenden Sie sich an das Forum.
6. Forum
In den Diskussionsforen zu den 30 gebietsfremden Arten des Handbuches können Sie Ihre Meinung zu diesen Arten und ggf. Erfahrungen
mit deren Bekämpfung eintragen und mit anderen diskutieren. Die AG NEOBIOTA bzw. das Institut für Ökologie der TU Berlin betreut
diese Foren.
Meinungen und Erfahrungen zur Schwarz-Kiefer (Pinus nigra) eintragen
Dieser Artensteckbrief wurde erstellt von:
Dr. Uwe Starfinger & Prof. Dr. Ingo Kowarik, Institut für Ökologie der TU Berlin [
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