Crassula helmsii (Kirk) Cockayne (Crassulaceae), Nadelkraut
1 Beschreibung der Art
1.1 Aussehen
Das Nadelkraut ist ausdauernde untergetauchte Wasser- oder Sumpfpflanze. Die Stängel sind dünn und verzweigt, kriechend bis
aufrecht und werden 10 130 cm lang. Meist bildet die Pflanze dichte Matten. Die gegenständigen Blätter sind an der Basis
verwachsen, je 4-20 mm lang und 0,7-1,6 mm breit, oberseits flach, unterseits gerundet und enden in einer stumpfen oder scharfen
Spitze. Die Blüten stehen einzeln an 2-7 mm langen Stielen in den Blattachseln Sie sind 4-zählig und 3-3,5 mm im Durchmesser,
blassrosa bis weiß. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit Wasserstern-Arten (Gattung Callitriche), deren Blätter aber nicht
am Grunde verwachsen und an der Spitze eingekerbt sind.
Floraweb-Fotos der Art
1.2 Taxonomie
Die Art ist unter verschiedenen Synonymen bekannt geworden. Unter diesen ist Crassula recurva, ein missbräuchlich verwendeter
Name, da er eine andere Art der Gattung bezeichnet.
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1.3 Herkunftsgebiet
Crassula helmsii stammt aus Australien und Neuseeland. Sie ist hier in Stillgewässern und an Flussufern, aber auch in Salzwiesen
verbreitet.
1.4 Biologie
Das Nadelkraut kann durch vegetative Vermehrung große Dominanzbestände aufbauen. Es zeigt Salztoleranz und scheint gegen Schwermetalle
resistenter als viele andere Wasserpflanzen. Ausgebreitet wird die Art hauptsächlich durch Sprossteile, aus denen neue Pflanzen
regeneriert werden können. In leicht fließendem Wasser ist das Wachstum schneller als in stehendem.
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2 Vorkommen in Deutschland
2.1 Einführungs- und Ausbreitungsgeschichte / Ausbreitungswege
Crassula helmsii wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Zierpflanze nach England importiert und war ab 1927 im Handel erhältlich.
Ab den 70er Jahren wurde hier eine rasch zunehmende Ausbreitung beobachtet. Der erste Fund in Kontinentaleuropa stammt aus
dem Jahre 1981 im Pfälzer Wald. Danach wurde die Art in Sibirien, in Belgien und an mehreren Stellen in Nord- und Westdeutschland
gefunden.
2.2 Aktuelle Verbreitung und Ausbreitungstendenz
Die Häufung von Funden in jüngerer Zeit deutet auf eine Zunahme der Art. Sie scheint sich jedoch hier bislang nicht so stark
wie in England auszubreiten. Zurzeit sind insgesamt 23 Wuchsorte in Deutschland bekannt.
Verbreitungskarte aus FloraWeb
2.3 Lebensraum
Crassula helmsii wächst in künstlichen oder natürlichen stehenden bis langsam fließenden Gewässern. Sie kommt im tieferen
Wasser als untergetauchte Wasserpflanze, im Uferbereich aus dem Wasser herausragend und auf feuchtem Boden als Sumpfpflanze
vor.
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2.4 Status und Invasivität der Art in benachbarten Staaten
In England ist C. helmsii schon seit den 70er Jahren bekannt und wegen ihrer Dominanzbestände als Problempflanze gefürchtet.
In Belgien ist die Art seit 1996 an einigen Stellen in Flandern bekannt. Auch in den Niederlanden sind seit Mitte der 90er-Jahre
einzelne Vorkommen gefunden worden, eine weitere Ausbreitung wird hier befürchtet.
3 Auswirkungen
Die Bestände in Deutschland sind noch zu jung, um die Auswirkungen sicher zu beurteilen. Ob sich die Erfahrungen aus England
auf Deutschland übertragen lassen, ist bislang unsicher.
3.1 Betroffene Lebensräume
Alle Wohngewässer der Art können von Auswirkungen betroffen sein.
3.2 Tiere und Pflanzen
Die dichten Dominanzbestände der Art führen zu auffallenden Verschiebungen der Häufigkeit bei anderen Arten.
3.3 Ökosysteme
In Fließgewässern kann das Abflussverhalten durch Massenbestände der Art verändert werden.
3.4 Menschliche Gesundheit
Keine Auswirkungen bekannt oder zu erwarten.
3.5 Wirtschaftliche Auswirkungen
Keine Auswirkungen bekannt oder zu erwarten.
4 Maßnahmen
Ob die Vorkommen in Deutschland Maßnahmen rechtfertigen, ist nicht sicher abschätzbar. Nach den Erfahrungen aus England muss
eine weitere Ausbreitung der Art als unerwünscht gelten.
4.1 Vorbeugen
Das Ausbringen von gebietsfremden Pflanzen ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§41.2) grundsätzlich nicht ohne Genehmigung
erlaubt. Weitere Ausbringungen der Art sollten unterbleiben. Dies gilt für das absichtliche Aussetzen ebenso wie für jedes
Entsorgen von Aquarieninhalt. Um den Transport von Sprossstücken zu verhindern, sollten Angelgeräte, Boote etc. aus Gewässern
mit C. helmsii nur nach gründlicher Reinigung oder völligem Abtrocknen in Gewässer ohne die Art gebracht werden.
4.2 Allgemeine Empfehlungen zur Bekämpfung
Eine Bekämpfung wird z.Zt. nicht empfohlen, da erstens die Problemdimension in Deutschland im Gegensatz zu England - nicht
ausreichend bekannt ist und zweitens keine geeigneten Methoden bekannt sind.
4.3 Methoden und Kosten der Bekämpfung
Erfahrungen mit der Bekämpfung von C. helmsii liegen aus England vor. Hier wurden auch Empfehlungen entwickelt. Danach sollen
kleine Flächen mit lichtundurchlässiger Folie abgedeckt werden, bis nach 6 10 Wochen die Art verschwindet (dies zerstört
natürlich auch die Begleitvegetation). In England wird C. helmsii vor allem mit Herbiziden bekämpft. In Deutschland ist der
Einsatz von Herbiziden außerhalb landwirtschaftlicher Flächen genehmigungspflichtig. Wegen der Gefahr für Gewässerökosysteme
sind viele Herbizide für Gewässer und deren Ufer grundsätzlich nicht zugelassen.
Mechanische Bekämpfung kann die Art wegen ihrer hohen Regenerationsfähigkeit wohl nicht zum Verschwinden bringen, sondern
höchstens zeitweise zurückdrängen.
Ihre Erfahrungen zur Bekämpfung können Sie im Diskussionsforum zu dieser Art eintragen.
5 Weiterführendes & Kontakte
5.1 Literatur & Links
Büscher, D., Raabe, U. & Wentz, E. M. (1990): Crassula helmsii (T. Kirk) Cockayne in Westfalen. Florist. Rundbr. 24:8-9.
Child, L. & Spencer-Jones, D. (1995): Treatment of Crassula helmsii - a case study. In: Pyek, P., Prach, K., Rejmánek, M.
& Wade, M. (eds.) Plant invasions - general aspects and special problems. SBP Academic Publ., Amsterdam, pp 195-202.
Dawson, F. H. & Warman, E. A. (1987): Crassula helmsii (T.Kirk) Cockayne: Is it an aggressive alien plant in Britain? Biol.
Conserv. 42:247-272.
Klotz, J.; Scheuerer, M. (2006): Crassula helmsii jetzt auch in Südbayern, mit einer aktuellen Übersicht zur Verbreitung in
Deutschland. Hoppea 67: 465-469.
Küpper, F., Küpper, H. & Spiller, M. (1996): Eine agressive Wasserpflanze aus Australien und Neuseeland: Crassula helmsii
(Kirk) Cockayne (ein neuer Fund für Westfalen und eine Literaturübersicht). Florist. Rundbr. 30:24-29.
Slembrouck, J. & Molenaar, E. (2002): Crassula helmsii ( Kirk) Cockayne, een nieuwe bedreiging voor onze waterflora ? In:
Floristisch Onderzoek voor Natuurbehoud (
http://www.fon.bewoner.antwerpen.be/artikel/crassula-helmsii.htm)
Stolwijk, P. F., Zijlstra, O. G. & Bielen, J. W. (2003): Watercrassula (Crassula helmsii (Kirk) Cockayne): een nieuwe soort
voor Oost-Nederland. HYPERICUM 1, Januar 2003, Floristische Werkgroep Twente En Floron Twente
http://home.tiscali.nl/t459122/h001_crassula_helmsii.html
Steckbrief und Vorkommen in NRW
Ergebnisse und Beobachtungen bei der Kartierung der Fühlinger Seen bei Köln durch den Verband für aquatische Systemanalysen
Köln e.V.:
Link
Listung der Art auf der
Warnliste der Europäischen Pflanzenschutzorganisation (EPPO)
5.2 Kontakte
Dr. Klaus van de Weyer, lanaplan Landschafts- und Stadtökologie, Nettetal,
klaus.vdweyer@lanaplan.de,
http://www.lanaplan.de
Vladimir Rydl, Verband für aquatische Systemanalysen Köln e.V. (VASA), science journalist, Mainstraße 8a, 51149 Köln,
vladimir.rydl@vasa-koeln.de,
www.vasa-koeln.de
6. Forum
In den Diskussionsforen zu den 30 gebietsfremden Arten des Handbuches können Sie Ihre Meinung zu diesen Arten und ggf. Erfahrungen
mit deren Bekämpfung eintragen und mit anderen diskutieren. Die AG NEOBIOTA bzw. das Institut für Ökologie der TU Berlin betreut
diese Foren.
Meinungen und Erfahrungen zum Nadelkraut (Crassula helmsii) eintragen
Dieser Artensteckbrief wurde 2003 erstellt von:
Dr. Uwe Starfinger & Prof. Dr. Ingo Kowarik, Institut für Ökologie der TU Berlin [
Kontakt]
letzte Aktualisierung 06.12.2008 (
Frank Klingenstein)