Ambrosia artemisiifolia L. (Asteraceae), Beifußblättrige Ambrosie
1 Beschreibung der Art
1.1 Aussehen
Die Beifußblättrige Ambrosie, die auch als Beifuß- oder Hohe Ambrosie, Beifußblättriges Traubenkraut oder Ragweed bezeichnet
wird, ist eine einjährige Pflanze, die in Deutschland meist zwischen 0,20 m und 1,50 (max. 1,80) m groß wird. Die Pflanze
ist reich verzweigt, und ihre Blätter sind in der Regel doppelt fiederteilig. Die Art ist einhäusig und bildet unscheinbare,
männliche und weibliche Blütenköpfchen aus, wobei die männlichen Blütenköpfchen in dichten blattlosen Trauben am Ende des
behaarten Stängels und der Seitenzweige stehen. Die weiblichen Blütenköpfchen befinden sich in Knäueln in den Achseln von
Blättern und am Grunde der männlichen Köpfchenstände. Die Blütenkronblätter sind stark reduziert und mit bloßem Auge nicht
zu erkennen. Aus einer weiblichen Blüte entwickelt sich eine etwa 2 bis 3 mm lange, ca. 1 mm lang geschnäbelte Frucht (Achäne).
Diese weist an der Fruchthülle 5 bis 7 stumpfe Höcker auf und enthält einen einzigen Samen.
Floraweb-Fotos der Art
1.2 Taxonomie
Die Beifußblättrige Ambrosie gehört zu den Korbblütengewächsen (Asteraceae). Derzeit umfasst die Gattung Ambrosia weltweit
etwa 40 Arten, von denen 22 verschiedene Arten in Nordamerika vorkommen. In Europa ist eine Art einheimisch (Ambrosia maritima),
4 Arten treten regelmäßig unbeständig oder lokal eingebürgert auf. Von diesen gelten in Deutschland als zumindest regional
eingebürgert die Beifußblättrige Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia L.), die Stauden-Ambrosie (
Ambrosia coronopifolia Torr. & A. Gray, syn. Ambrosia psilostachya auct., non DC. 1836 s.str.) und die Dreispaltige Ambrosie (
Ambrosia trifida L.). Von der Beifußblättrigen Ambrosie kann man das viel niedrigere Ausdauernde Traubenkraut am besten durch seine graugrünen
weißlich behaarten Blätter, seine viel schwächere Verzweigung und seine Ausläufer unterscheiden. Das Dreilappige Traubenkraut
unterscheidet sich durch seine großflächigeren ungeteilten oder 3- bis 5-spaltigen Blätter mit über 1 cm breiten in eine Spitze
ausgezogenen Abschnitten. Unbeständig können sehr selten auch noch andere Ambrosia-Arten an Ruderalstellen wie Hafen- oder
Bahnanlagen auftreten.
Gelegentlich wird die Beifußblättrige Ambrosie auch mit dem häufigen einheimischen Gewöhnlichen Beifuss (
Artemisia vulgaris) verwechselt (oder mit dem seltenen, vorwiegend im Elbeeinzugsgebiet vorkommendem Einjährigen Beifuss,
Artemisia annua). Durch seine verwachsenen Hüllblätter, durch die die männlichen Blütenköpfchen wie unter kleinen Dächern stehen, ist sie
von diesem gut zu unterscheiden. Außerdem sind die Blätter des Gewöhnlichen Beifusses unterseits anliegend silbrig behaart
und die Pflanze ist mehrjährig und dadurch unten stärker verholzt mit mehreren Trieben und meistens so fest verwurzelt, dass
sie nicht einfach wie die Ambrosienpflanzen aus dem Boden gezogen werden kann. Andere ähnliche Arten sind Gänsefüße und Fuchsschwänze
(z.B. Weißer Gänsefuß,
Chenopodium album oder Zurückgekrümmter Fuchsschwanz;
Amaranthus retroflexus), deren Blätter aber nur wenig eingeschnitten, d.h. nicht bis zur Mittelrippe geteilt sind und die nur in Gärten häufig angepflanzten
Studentenblumen (
Tagetes), die aber harte, ledrige Blätter und große, rot-gelbe Blütenköpfe haben.
In Amerika tritt die Beifußblättrige Ambrosie in einigen Varietäten auf. In Europa kommt wahrscheinlich nur die var. elatior
vor.
Synonyme der Beifußblättrigen Ambrosie sind: Ambrosia artemisiifolia var. elatior (L.), Descourtilz, Ambrosia artemisiifolia
var. paniculata (Michaux) Blankinship, Ambrosia elatior L., Ambrosia glandulosa Scheele, Ambrosia monophylla (Walter) Rydberg.
Synonyme/Informationen zur Taxonomie aus FloraWeb
1.3 Herkunftsgebiet
Ambrosia artemisiifolia ist in Nordamerika einheimisch und kommt heute in den größten Teilen der USA vor. Fossile Pollenfunde
zeigen, dass die Art schon seit vielen tausend Jahren in Kanada vorkommt, wo sie wahrscheinlich in den kanadischen Prärien
als Pionierpflanze ihre natürlichen Vorkommen hat. Sekundär wächst die Art in Nordamerika auf Brachflächen, an Straßenrändern,
auf Bauplätzen oder an anderen Ruderalstandorten.
1.4 Biologie
Die Beifußblättrige Ambrosie ist ein Therophyt, d.h. sie überwindet die kalte Jahreszeit in Form von Samen, keimt im Frühjahr
und vollendet ihren Entwicklungszyklus in einem Jahr. Witterungsabhängig kann sie bei uns ab März keimen, ab Mitte Juli beginnt
die Blüte und endet im November, wobei die Hauptblütezeit zwischen August und Oktober liegt, ab September fruchtet sie bei
entsprechender Witterung. Sie gehört zu den wenigen Korbblütlern, die durch den Wind und nicht durch Insekten bestäubt werden.
Daher sind ihre Blüten stark reduziert (auffällige bunte Kronblätter fehlen) und es wird eine große Menge Pollen produziert.
Geringe Temperaturen sowie hohe Luftfeuchtigkeit verhindern die Öffnung der Pollensäcke.
Den Früchten fehlen besondere Ausbreitungsmittel, so dass die Beifußblättrige Ambrosie auf Transport, v.a. durch den Menschen,
angewiesen ist. Hydrochorie (Ausbreitung mit Wasser) ist nachgewiesen, epizoochore (an Tieren) Ausbreitung denkbar. Die langlebigen
Samen bleiben bis zu 39 Jahre keimfähig. Sie sind Kältekeimer. Für ihre vollständige Entwicklung, d.h. bis zur Bildung reifer
Samen, benötigt die Art u.a. ein Klima mit mehr als 150 frostfreien Tagen im Jahr.
weitere Informationen zur Biologie aus FloraWeb
2 Vorkommen in Deutschland
2.1 Einführungs- und Ausbreitungsgeschichte / Ausbreitungswege
Erste Nachweise von Ambrosia artemisiifolia in Deutschland stammen aus Hamburg aus dem Jahr 1860. Unbeabsichtigt mit Getreide
und mit amerikanischer Kleesaat eingeschleppt, trat die Art vorwiegend unbeständig in Unkrautgesellschaften auf, besonders
an Verladeplätzen in Hafenanlagen, an Bahnhöfen oder auf den Trümmerfeldern nach dem 2. Weltkrieg. Bis Ende der 1970er Jahre
gab es nur an wenigen Stellen dauerhafte Vorkommen, so z.B. in Guben in der Niederlausitz (seit 1928) und in Ludwigshafen
(etwa seit den 1940er Jahren). Seit Anfang der 1990er Jahre wird eine zunehmende Ausbreitung von A. artemisiifolia in Deutschland
registriert.
Ambrosia-Samen werden in Deutschland überwiegend mit landwirtschaftlichen Produkten, insbesondere mit Winter-Vogelfutter für
freilebende Vögel, eingeschleppt. Die Ambrosia-Samen gelangen bei der Ernte unbeabsichtigt in das Futter, wenn auf den Anbauflächen
der Vogelfutterpflanzen (besonders Sonnenblumen) Ambrosia als Unkraut wächst. Die Beifußblättrige Ambrosie kommt häufig
an den Stellen in Gärten vor, wo im Winter Vögel gefüttert wurden. Die Art kann von dort über ausgestreute Samen oder mit
Gartenabfall in die freie Landschaft gelangen.
Eine Ausbreitung der Beifußblättrigen Ambrosie erfolgt weiterhin mit Ambrosiasamen enthaltendem Erdreich, mit an Kraftfahrzeugen,
Mähmaschinen (insbesondere bei der Mahd von Straßenrändern) oder sonstigen landwirtschaftlichen Maschinen anhaftenden Samen.
Große Ambrosia-Bestände wurden auch in Blumenfeldern, insbesondere auf Feldern mit Sonnenblumen zum Selbstpflücken, gefunden.
Hier wurden oft mit Ambrosiasamen verunreinigte Sonnenblumensamen, die für Futterzwecke bestimmt waren, ausgesät. Auch Wildäcker
bzw. dort ausgebrachte verunreinigte Saatgutmischungen tragen zur Ausbreitung bei.
2.2 Aktuelle Verbreitung und Ausbreitungstendenz
Nach der Verbreitungskarte von FloraWeb kommt A. artemisiifolia zerstreut in ganz Deutschland vor. Da der Karte aber zumeist
ältere Fundangaben zugrunde liegen und in der Darstellung nicht unterschieden wird, ob es sich um etablierte oder unbeständige
Vorkommen handelt, kann von dieser Karte nicht auf die aktuelle Verbreitung der Beifußblättrigen Ambrosie in Deutschland geschlossen
werden.
So liegen die meisten derzeit bekannten Fundpunkte von Ambrosia artemisiifolia in privaten Gärten, in die die Art in erster
Linie mit Vogelfutter eingebracht wird. Diese Vorkommen sind hier in der Regel unbeständig.
Dagegen sind beständige Ambrosia-Vorkommen außerhalb von Gärten in den meisten Regionen Deutschlands noch selten. Außerhalb
von Gärten existieren wenige, aber zum Teil große Vorkommen, die sich aus eigener Kraft vermehren. Diese haben aber in den
letzten ca. zehn bis fünfzehn Jahren deutlich zugenommen und sind bislang vorwiegend aus Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg,
Südhessen) sowie den östlichen Bundesländern (Brandenburg und Berlin) bekannt. Eines der größten Vorkommen befindet sich derzeit
an der südöstlich von München verlaufenden Autobahn A8, wo die Art abschnittsweise von der österreichischen Grenze bis hinter
Rosenheim vorkommt. Jüngere Untersuchungen aus Deutschland zeigen, dass sich Ambrosia artemisiifolia entlang von Straßen oder
durch Erdtransporte innerhalb weniger Jahre stark ausbreiten und dabei auch größere Distanzen überwinden kann.
Verbreitungskarte aus FloraWeb
2.3 Lebensraum
Die Beifußblättrige Ambrosie besiedelt verschiedene Arten von Böden (sauer bis basisch, trocken bis frisch), wenn offene Stellen
zu Keimung vorhanden sind (z.B. Mineralböden mit geringer Humusbedeckung). Entsprechend ihrem natürlichen Standort in Prärien
ist sie relativ trockenresistent. Für ihr Wachstum benötigt sie volles Licht; zeitweise geringe Beschattung kann sie ertragen.
Auch wenn die meisten der sich vermehrenden Populationen bisher aus klimatisch begünstigten Gebieten bekannt sind und die
Pflanze als Wärmezeiger gilt, deuten ihre z.T. starken Vorkommen in weniger warmen Gebieten (z.B. Baltikum, Polen, Alpenvorland)
darauf hin, dass sie auch bei geringer Wärme sehr wuchskräftig ist.
Ambrosia artemisiifolia vermag eine große Bandbreite von Standorten zu besiedeln. Sie bevorzugt offene Bodenflächen und meidet
dichte Vegetation. Teils große Bestände der Art wachsen derzeit auf unbebauten Flächen in Neubaugebieten, auf Industriebrachen,
auf Erdaufschüttungen z.B. an Baustellen, an Lagerplätzen für Baumaterial, entlang von Straßen (auch an Autobahnen), an Wegrändern,
auf Baumscheiben, in Blumenrabatten, in Parkanlagen, an Feldrändern und in Feldern, an Waldwegen, in Hafenanlagen und an Ölmühlen.
weitere Informationen zu Ökologie und Lebensraum aus FloraWeb
2.4 Status und Invasivität der Art in benachbarten Staaten
Große und individuenreiche Bestände der Beifußblättrigen Ambrosie kommen in einigen Regionen Frankreichs, Italiens, der Schweiz
und Österreichs vor. Ambrosia artemisiifolia ist in der Schweiz auf der Schwarzen Liste der invasiven Pflanzenarten aufgeführt
und wird als besonders problematisch für die menschliche Gesundheit und die Landwirtschaft angesehen. Seit dem 01. Juli 2006
besteht in der Schweiz eine Melde- und Bekämpfungspflicht für A. artemisiifolia. Vogelfutter, das in der Schweiz in den Handel
kommt, darf seit 2005 keine Samen der Beifußblättrigen Ambrosie enthalten. In Frankreich werden, wie auch in der Schweiz,
umfangreiche Informationsbroschüren über die Art zur Verfügung gestellt und Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt.
Ambrosia artemisiifolia hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv in zahlreichen süd- und südosteuropäischen Ländern
wie Ungarn, Rumänien, Slowenien und Bulgarien ausgebreitet. Besonders aus Ungarn werden große Probleme im Gesundheitswesen
und in der Landwirtschaft beschrieben. In Russland und der Ukraine ist Ambrosia artemisiifolia auf der Liste der Quarantäne-Schadorganismen
aufgeführt, deren weitere Einbringung in das Land durch verschiedene Maßnahmen unterbunden werden soll.
Auch in Nord- (Dänemark, Schweden, Finnland) und Nordosteuropa (Polen, baltische Staaten) kommt die Art vor und wird dort
als problematisch beurteilt.
3 Auswirkungen
Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass bei weiterer Ausbreitung und Etablierung der Beifußblättrigen Ambrosie vor allem
im landwirtschaftlichen und im gesundheitlichen Bereich mit Auswirkungen gerechnet werden kann.
Aus Sicht des Naturschutzes stellt die Beifußblättrige Ambrosie bisher in Deutschland nur in Ausnahmefällen ein Problem dar.
3.1 Betroffene Lebensräume
Ambrosia artemisiifolia kommt derzeit überwiegend in stark vom Menschen geprägten Lebensräumen wie z.B. an Straßenrändern
vor. Hier sind bisher aus Deutschland keine Konflikte mit Zielen des Naturschutzes bekannt.
Die Art kann aber in Sandtrockenrasen dichte Dominanzbestände aufbauen.
3.2 Tiere und Pflanzen
Bislang ist erst wenig über den Einfluss von Ambrosia artemisiifolia auf Pflanzen und Tiere in Deutschland bekannt. In einem
Fall wird das Vorkommen von A. artemisiifolia in einem Naturschutzgebiet (NSG Binnendünen Siegenburg, Landkreis Kelheim) beschrieben.
Die Art wuchs seit Anfang der 1970er Jahre in diesem NSG auf einem durch den Eintrag von Erdmaterial ruderalisierten Sandmagerrasen,
wo sie sich nach jahrzehntelanger Stagnation dann innerhalb weniger Jahre bis 2003 auf ca. 130 m2 ausbreitete und auf etwa
30 m2 besonders dichte Bestände mit etwa 800 bis 1000 Keimpflanzen pro Quadratmeter bildete. Die Art wanderte von der gestörten
Fläche in umliegende, vom Bodeneintrag unbeeinflusste Sandmagerrasenflächen ein. Da befürchtet wurde, dass seltene Sandmagerrasenarten
wie Teesdalia nudicaulis, Veronica verna oder V. dillenii verdrängt würden, wurden vom Landschaftspflegeverein Kelheim Bekämpfungsmaßnahmen
durchgeführt und die Art erfolgreich zurückgedrängt.
In Versuchen wurde nachgewiesen, dass von der Beifußblättrigen Ambrosie allelopathisch wirkende Substanzen abgeben werden,
die einen Einfluss auf das Wachstum von anderen Pflanzenarten haben können.
Ambrosia artemisiifolia ist in einigen Ländern (z.B. Ungarn, Kanada) ein gefürchtetes landwirtschaftliches Unkraut, das Ertragseinbußen
bei verschiedenen Feldfrüchten verursachen kann.
Nach Untersuchungen aus den USA fressen Kühe Ambrosia artemisiifolia, wenn ihnen wenig andere Nahrung zur Verfügung steht.
Allerdings wird berichtet, dass die Beifußblättrige Ambrosie von diesen Tieren schlecht vertragen wird und sich der Geschmack
der Milch negativ verändert.
Die ölhaltigen Früchte von Ambrosia artemisiifolia werden in Nordamerika von verschiedenen Singvogelarten gefressen.
3.3 Ökosysteme
Inwieweit Ambrosia artemisiifolia problematisch für Ökosysteme in Deutschland ist, ist noch zu klären, negative Einflüsse
auf Stoffflüsse, Böden oder Gewässer sind bislang nicht bekannt.
Ambrosia artemisiifolia ist in der Lage, Blei und Cadmium erfolgreich aus Böden aufzunehmen.
3.4 Menschliche Gesundheit
Ambrosia-Pollen können Allergien auslösen, bei denen die Betroffenen mit verschiedenen Symptomen wie z.B. Fließschnupfen (Rhinitis)
oder Bindehautentzündung (Konjunktivitis) reagieren. Asthma tritt als Reaktion auf Ambrosia-Pollen häufiger als bei anderen
Pollenallergien auf. In einigen Regionen Frankreichs und Italiens, in denen große Bestände von A. artemisiifolia vorkommen,
treten bei bis zu 12 % der Bevölkerung Allergien gegen die Pollen auf. In Nordamerika, wo 75 % der Pflanzenpollen-Allergiker
auch auf Ambrosia reagieren (
www.aafa.org) und in Ungarn zählen Pollen der Beifußblättrigen Ambrosie zu den bedeutendsten Auslösern von Heuschupfen. Vergleichbare
Untersuchungen zur klinischen Relevanz für Deutschland liegen bisher nicht vor. Da aber kein Fall bekannt ist, in dem nur
eine Allergie gegen Ambrosie vorliegt (Monosensibilisierung), ist es auch bei uns sehr wahrscheinlich, dass ohnehin gegen
Pollen allergische Patienten zusätzlich auf Ambrosie reagieren (polyvalente Sensibilisierungen). Dies ist von besonderer Relevanz,
weil Ambrosia artemisiifolia erst spät im Jahr zur Blüte kommt, wenn andere Pollenallergie-auslösende Pflanzen (wie Gräser
und Bäume) bereits abgeblüht sind. Die Leidenszeit von Allergikern kann sich durch A. artemisiifolia damit verlängern.
Bei manchen Menschen tritt bei Berührung der Beifußblättrigen Ambrosie eine Hautreaktion (Kontaktdermatitis) auf. Die Betroffenen
berichten von geröteten, geschwollenen und juckenden Hautbereichen. Außerdem sind Kreuzallergien gegen Lebensmittel wie Melonen
und Bananen bekannt.
Die Beifußblättrige Ambrosie kann als Heilpflanze z.B. zur Linderung von Verdauungsstörungen oder als blutstillendes Mittel
auch positive Auswirkungen für den Menschen haben.
3.5 Wirtschaftliche Auswirkungen
Für die derzeitigen Vorkommen der Beifußblättrigen Ambrosie in Deutschland sind nur geringe wirtschaftliche Auswirkungen belegt.
Landwirtschaftliche Ertragseinbußen wie in anderen Ländern sind noch nicht bekannt geworden und zusätzliche Kosten durch Gesundheitsprävention
oder Allergiebehandlung noch nicht erfasst, Schätzungen hierfür reichen aber bis zu mehreren Millionen Euro.
4 Maßnahmen
Da die Auswirkungen der Art auf Naturschutzziele bisher gering sind und voraussichtlich auch bleiben werden, sollten Pflanzen
aus Gründen des Naturschutzes nur in schutzwürdigen Gebieten entfernt werden.
In Hinblick auf ein möglichst geringes Allergierisiko sind aber auch die Bestandsregulierung vorhandener Bestände und die
Verhinderung der weiteren Ausbreitung sinnvoll. Dabei wird eine vollständige Beseitigung der Pflanze in den Gebieten, wo die
Beifußblättrige Ambrosie in Deutschland schon zerstreut vorkommt, nicht mehr realisierbar sein, zumal sie z.T. schon eingebürgert
ist. Allerdings ist auch eine Reduktion der Bestände in Hinblick auf die Minimierung der Pollenbelastung in der Luft sinnvoll
und aus dem Großteil des Bundesgebietes bzw. in Bundesländern wie Schleswig-Holstein und dem Saarland, wo bisher keine größeren,
beständigen Vorkommen außerhalb von Gärten bekannt sind, erscheint auch eine vollständige Entfernung noch möglich.
Unabhängig von derartigen Managementmaßnahmen sollte aber eine weitere Ausbreitung bzw. Zunahme der Bestände (und damit des
allergenen Risikos) durch die weitere Einschleppung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und das Verschleppen in die freie
Landschaft verhindert werden.
4.1 Vorbeugen
Nach bisherigen Erkenntnissen gelangt Ambrosia artemisiifolia primär über landwirtschaftliche Produkte, vor allem Vogelfutter,
nach Deutschland. Alle importierten landwirtschaftlichen Produkte sollten daher frei von Ambrosia-Samen sein, wenn sie in
den Handel gelangen. Allerdings werden bestehende nationale bzw. europäische Regelungen (wie Pflanzenschutzgesetz, Pflanzenbeschauverordnung,
EG-Quarantäne-Richtlinie 2000/29/EG oder Futtermittelverordnung), mit denen ggf. das Inverkehrbringen von mit Beifußblättriger
Ambrosie verunreinigtem Saatgut oder Futtermitteln verhindert werden könnte, zu keiner schnellen Umsetzung führen.
Da auch Vogelfutter für Vögel in Käfighaltung Ambrosia-Samen enthält, sollten Futterreste und Käfigstreu vorsorglich nicht
auf den Kompost oder in die freie Landschaft gebracht werden.
Förster, Jäger, Straßenmeistereien, Grünflächenämter und Bauhöfe sollten über die Art, ihr Aussehen und mögliche Präventions-
und Regulierungsmaßnahmen informiert werden, damit sie Wuchsorte frühzeitig erkennen und eine weitere Ausbreitung verhindern
können.
Treten Ambrosien in Privatgärten auf, sollte verhindert werden, dass sich die Art von dort aus in die freie Landschaft ausbreitet.
Die Pflanzen sollten hierzu möglichst vor der Blüte bzw. der Samenbildung ausgerissen werden (wie s. 4.3).
Treten Ambrosien in Gebieten auf, in denen Baumaßnahmen vorgenommen werden, sollte die ausgehobene Erde auf den betreffenden
Flächen verbleiben, um eine Verschleppung der Samen mit Erdmaterial in andere Gebiete zu unterbinden.
Ein öffentlich zugängliches Meldesystem für Ambrosia-Bestände wurde von der Biologischen Bundesanstalt eingerichtet (s. Links
weiter unten).
4.2 Allgemeine Empfehlungen zur Bekämpfung
Kleinere Bestände von wenigen Pflanzen, wie man sie zumeist vorfinden wird, wenn Ambrosia-Pflanzen aus Vogelfutter gekeimt
sind, lassen sich in der Regel schnell und mit geringem Aufwand beseitigen, womit ein effektiver Beitrag gegen die weitere
Ausbreitung der Art geleistet wird.
Da Bekämpfungsmaßnahmen größerer Bestände dagegen einen Eingriff in einen Lebensraum darstellen, der auch zu Beeinträchtigungen
des Biotops und der Zielarten führen kann, sind bei diesen Maßnahme erwünschte und unerwünschte Effekte abzuwägen (insbesondere
bei Herbizidanwendung; s.u.). Auch die Kosten der Bekämpfung sollten in einem angemessenen Verhältnis zum Ziel und zum naturschutzfachlichen
Wert des Lebensraumes stehen, d.h. eine Bekämpfung auf naturschutzfachlich wenig bedeutsamen Flächen ist zur Gesundheitsprävention
sinnvoll, aus Naturschutzsicht aber nur zu rechtfertigen, wenn die Gefahr der Ausbreitung in wertvolle Gebiete besteht. Die
erfolgreiche Bekämpfung großer Bestände muss zudem mehrfach im Jahr und über mehrere Jahre erfolgen, so dass deren langfristige
Finanzierung bei Beginn der Maßnahmen gesichert sein sollte.
4.3 Methoden und Kosten der Bekämpfung
Als einjährige Art ist die Beifußblättrige Ambrosie durch Ausreißen per Hand (bei kleinen Beständen) oder Mahd gut und unkompliziert
zu beseitigen.
Maßgeblich für den Erfolg ist der richtige Zeitpunkt der Maßnahmen. Dieser sollte kurz vor der Blüte liegen um die Freisetzung
des allergenen Pollen zu verhindern. Da dies witterungsabhängig ist, müssen die Pflanzen vorher regelmäßig beobachtet werden.
Auf jeden Fall sollte die Bekämpfung immer vor dem Fruchten erfolgen, um eine Ausbreitung über Samen während der Maßnahme
zu verhindern, danach muss zumindest sichergestellt sein, dass keine Samen ausgestreut bzw. verbreitet werden.
Das Ausreißen stellt die effektivste Bekämpfungsmethode dar, sofern die Wurzel mit ausgerissen wird und es mehrfach wiederholt
wird, um neu ausgekeimte, übersehene oder neu austreibende Pflanzen ebenfalls zu entfernen. Wegen möglichen Hautreaktionen
(Kontaktdermatitis) sollten vorsorglich Handschuhe getragen werden. Wenn die Pflanzen bei der Maßnahme bereits blühen, sollte
man sich durch eine Staubmaske (FFP1) vor dem Einatmen der Pollen schützen und Allergiker sollten die Arbeit möglichst nicht
verrichten. Die Pflanzen sollen und auf keinen Fall selber kompostiert oder zu Sammelplätzen gebracht werden und nur dann
über den Biomüll entsorgt werden, wenn dessen öffentliche Abholung und damit fachgerechte thermische Kompostierung gesichert
ist. Andernfalls sind sie in einer geschlossenen Plastiktüte mit dem Restmüll zu entsorgen.
Größere Bestände können gemäht werden. Da die Mahd nur die oberirdischen Pflanzenteile erfasst, wird bei einer einmaligen
Mahd je nach Zeitpunkt nur die Pollen- oder Samenproduktion verringert, da die Pflanze erneut austreiben kann. Da in einem
Ambrosia-Bestand unterschiedliche Altersstadien auftreten, ist eine einmalige Mahd nicht ausreichend, d.h. danach ist die
weitere Entwicklung der Pflanzen zu beobachten und nachwachsende Pflanzen sind auszureißen oder es muss - ggf. mehrmals -
erneut gemäht werden, um die Pflanze ausreichend zu schwächen. Außerdem sind die Stellen im Folgejahr auf neuen Aufwuchs zu
kontrollieren und ggf. erneut zu mähen. Nach der Mahd muss das Mähgut von der Fläche abgeräumt und wenn bereits Samen gebildet
wurden ebenfalls so entsorgt werden, dass deren Ausstreuen ausgeschlossen ist (z.B. Müllverbrennung). Vorsorgliche Schutzmaßnahmen
(Handschuhe, ggf. Staubmaske) sind ebenfalls zu empfehlen.
Von der Bekämpfung durch Herbizide außerhalb von Äckern wird grundsätzlich abgeraten. Dadurch werden nicht nur Boden und Grundwasser
belastet, sondern auch mehrjährige Pflanzenarten und damit die Vegetationsdecke vernichtet, so dass sich auf den vegetationsfrei
gespritzten Flächen Ambrosien aus benachbarten Beständen oder aus im Boden befindlichen Samen schnell wieder ansiedeln können.
Die Anwendung von Herbiziden ist zudem außerhalb landwirtschaftlicher Nutzflächen genehmigungspflichtig.
Ihre Erfahrungen zum Management können Sie im Diskussionsforum zu dieser Art eintragen.
5 Weiterführendes & Kontakte
5.1 Literatur & Links
Alberternst, B., S. Nawrath, F. Klingenstein, 2006: Biologie, Verbreitung und Einschleppungswege von Ambrosia artemisiifolia
in Deutschland und Bewertung aus Naturschutzsicht. Nachrichenbl. Deut. Pflanzenschutzd. 58 (11), 279-285. (
pdf-Datei; 1.700 KB)
Bassett, I. J., C. W. Crompton, 1975: The Biology of Canadian Weeds. Ambrosia artemisiifolia L. and A. psilostachya DC. Can.
J. Plant Sci. 55: 463-476.
Bohren, C., N. Delabays, G. Mermillod, C. Keimer, C. Kündig, 2005: Ambrosia artemisiifolia in der Schweiz eine herbologische
Annäherung. AgrarForschung 12 (2): 71-78.
Bohren, C, 2005: Massnahmen gegen Ambrosia. UFA-Revue 9/05: 36-38.
Breunig, T., 2004: Fundmeldungen zu Ambrosia artemisiifolia. Ber. Bot. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 3: 70.
Gabrio, T.; Behrendt, H.; Eitle, C.; Felder-Kennel, A.; Flicker-Klein, A.; Gickeleiter, M.; Hinderer, I.; Kersting, G.; Link,
B.; Maisner, V.; Weidner, U.; Wetzig, J.; Zöllner, I., 2006: Verbreitung von Ambrosia-Pflanzen in Deutschland- eine Ursache
für die Zunahme von Allergien in Deutschland? Derm 2006 (12): 293-303.
Hegi, G. (Begr.), G. Wagenitz [Hrsg.], 1979: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Compositae I: Allgemeiner Teil, Eupatorium
Achillea. 2. Auflage, München [u.a.].
Heine, H.-H., 1952: Beiträge zur Kenntnis der Ruderal- und Adventivflora von Mannheim, Ludwigshafen und Umgebung. Verein für
Naturkunde Mannheim 117./118. Jahresbericht 1950/51.
Lauerer M, Beitzinger S, Huber K (2008) Neophyten-Ausbreitung durch Vogelfutter. Anteil und Keimfähigkeit von Samen der Beifuß-Ambrosie
(Ambrosia artemisiifolia). - Naturschutz und Landschaftsplanung 40(8): 244-247. (
pdf-Datei, 9.200 KB)
Lütt, S. (2007): Verbreitung von Ambrosia artemisiifolia in Schleswig-Holstein. Kieler Notizen zur Pflanzenkunde 35: 81-88.
Mazomeit, J. (2006): Zur aktuellen Ausbreitung von Ambrosia artemisiifolia in der Pfalz. Pollichia-Kurier 22 (4): 6-8.
Nitzsche, J., 2005: Ringfahndung nach Ambrosia artemisiifolia: von Hafenpflanze zum Ackerunkraut? Vortrag beim 6. Braunschweiger
Kolloquium zur Ruderalvegetation 2005. (
pdf-Datei; 5,2 KB)
Poppendieck, Hans-Helmut (2007): Die Gattungen Ambrosia und Iva (Compositae) in Hamburg, mit einem Hinweis zur Problematik
der Ambrosia-Bekämpfung. Berichte des Botanischen Vereins zu Hamburg, Heft 23 (2007): 53-70.
Sluschny, H. (2008): Zur Verbreitung der Ambrosia-Arten in Mecklenburg-Vorpommern. - Botanischer Rundbrief für Mecklenburg-Vorpommern
43: 57-68.
Taramarcaz, P., Lambelet, C., Clot, B. Keimer, D. & Hauser, C., 2005: Ragweed (Ambrosia) progression and its health risks:
will Switzerland resist this invasion? Swiss. Med. Weekly 135: 538-548.
www.ambrosiainfo.de (Informationen, Bilder, Einschleppungswege in Deutschland)
vom
Julius Kühn-Institut koordinierte Aktivitäten zur Ambrosie in Deutschland einschl.
online-Erfassungsformular
Ergebnisse der BfN-Umfrage von 2006 bei den Unteren Naturschutzbehörden (
pdf-Datei, 8 MB)
Aktionsprogramm
Ambrosiabekämpfung und Meldestelle in Bayern
Ambrosiameldestelle in Baden-Württemberg
Informationen und Meldungen für NRW des Landesumweltamtes
www.ambrosia.de (kommerzielle Seite mit Informationen und Bildern für Deutschland)
pdf-Merkblatt der Schweizer Schwarzen Liste
Ambrosia-Projektseite der Schweizer Forschungsanstalt Wädenswil
Artikel (mit Möglichkeit der Fotobestellung), der zu einem sachlichen Umgang aufruft
5.2 Kontakte
Dr. Beate Alberternst, Projektgruppe Biodiversität und Landschaftsökologie, Hinter´m Alten Ort 9, 61169 Friedberg,
b.alberternst@online.de (allgemeine Informationen)
Frank Klingenstein, Bundesamt für Naturschutz, Konstantinstr. 110, 53179 Bonn,
frank.klingenstein@bfn.de (allgemeine Informationen, Naturschutzauswirkungen)
Martin Eicher, Landschaftspflegeverein Kelheim, Hemauer Straße 48a, 93209 Kelheim,
martin.eicher@landkreis-kelheim.de (Informationen zur Bekämpfung von A. artemisiifolia im NSG Binnendünen Siegenburg)
Dr. Stefan Nawrath, Projektgruppe Biodiversität und Landschaftsökologie, Hinter´m Alten Ort 9, 61169 Friedberg,
s.nawrath@online.de (Meldung von Ambrosien-Fundorten außerhalb von Gärten)
Dr. Uwe Starfinger, Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig,
uwe.starfinger@jki.bund.de (Aktionsprogramm Ambrosie)
Dr. Ulf Schmitz, Abteilung Geobotanik, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf,
mail@ulfschmitz.de (Informationen zur Ökologie und zu Westdeutschland)
Dr. Marianne Klug, Landwirtschaftskammer NRW, Pflanzenschutzdienst, Nevinghoff 40, 48147 Münster,
marianne.klug@lwk.nrw.de (für NRW und Managementmaßnahmen)
Dr. Thomas Breunig, Institut für Botanik und Landschaftskunde, Bahnhofstraße 38, 76137 Karlsruhe
breunig@botanik-plus.de,
www.botanik-plus.de (Informationen aus Südwestdeutschland)
Dr. Hans-Helmut Poppendieck, Herbarium Hamburgense am Biozentrum Klein-Flottbek der Universität Hamburg, Ohnhorststraße 18,
22609 Hamburg,
poppendieck@botanik.uni-hamburg.de (Informationen aus Nordwestdeutschland)
Christian Bohren, Agroscope RAC Changins, 1260 Nyon 1,
christian.bohren@rac.admin.ch (Informationen zu A. artemisiifolia und Maßnahmen in der Schweiz)
Prof. Dr. Heidrun Behrendt, Zentrum für Allergie und Umwelt der TU München, Biedersteiner Straße 29, 80802 München,
heidrun.behrendt@lrz.tu-muenchen.de (Informationen zu gesundheitlichen Auswirkungen)
6. Forum
In den Diskussionsforen können Sie Ihre Meinung zu den Arten des Handbuches und ggf. Erfahrungen mit deren Management eintragen
und mit anderen diskutieren. Das Bundesamt für Naturschutz und die AG NEOBIOTA bzw. das Institut für Ökologie der TU Berlin
betreuen diese Foren.
Meinungen und Erfahrungen zur Beifußblättrige Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) eintragen
Dieser Artensteckbrief wurde erstellt von:
Dr. Christelle Otto, Bundesamt für Naturschutz [
Kontakt]
nach Beiträgen von:
Dr. Beate Alberternst [
Kontakt] & Dr. Stefan Nawrath [
Kontakt], Projektgruppe Biodiversität und Landschaftsökologie
Annemarie Radkowitsch, forumNatur Pforzheim [
Kontakt]
letzte Aktualisierung: 15.12.2008 (
Frank Klingenstein)